Das Projekt des Bundesbauministeriums bilanziert

2016 ‒ ein Jahr im Fachwerk-Fünfeck

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© Maike Bosse: Die fünf Städte haben ein Tourismus-Konzept beauftragt, um den Fachwerktourismus zu fördern.

Seit Eröffnung der Geschäftsstelle vor eineinhalb Jahren hat das Projekt Fachwerk-Fünfeck schon viel bewegt. Zeit für eine Bilanz auf allen Handlungsfeldern des Projekts:

Stadtentwicklung
In der Stadtentwicklung konnte gleich zu Projektbeginn die Neuplanung der Magistrale der Baukultur in Einbeck begonnen werden, deren Pläne im Januar den Bürgern und Anwohnern vorgestellt wurden. Mithilfe dieser Pläne konnte sich die Stadt Einbeck in einem weiteren Förderprogramm für die Umsetzung der Neuerungen bewerben. Die Tiedexer Straße in Einbeck steht beispielhaft für eine Geschäftsstraße in der Randlage einer historischen Altstadt, die eine ganz besondere Kulisse denkmalgeschützter Fachwerkhäuser besitzt, aber zunehmend mit Leerstand kämpft. Durch eine Neugestaltung des Straßenraumes, eine einheitliche Möblierung und eine unterstreichende Beleuchtung lässt sich der Straßenzug für die Anwohner und Bürger, aber auch Touristen noch besser erleben und wahrnehmen. Eine Konferenz mit weiteren Stadtentwicklungsthemen, zu der die Öffentlichkeit geladen wird, ist im März 2017 geplant.

Tourismus
Alle Tourismus-Experten der Städte haben gemeinsam mit der Geschäftsstelle eine Tourismus-Agentur mit einem Tourismuskonzept beauftragt. Dazu wurden Gespräche mit den touristischen Leistungsträgern, den Gastgebern und Betreibern touristischer Einrichtungen und den Tourist-Informationen geführt. Die Ergebnisse flossen in die Analyse der Agentur ein, die daraus Handlungsempfehlungen und Maßnahmenvorschläge ableiten wird. Zugleich überprüft die Agentur derzeit die touristischen Beschilderungen der Städte und beurteilt sie. Mit einer Präsentation der Ergebnisse ist im Februar zu rechnen

Kulturerbe
Fachwerkspezialist Professor Manfred Gerner hat im April diesen Jahres sein Gutachten zur „Regionalen Identität der Fachwerk-Fünfeck“-Städte abgeschlossen und die Ergebnisse im August zum 5. Südniedersächsischen Fachwerktag in Duderstadt präsentiert. Darin beschreibt er, dass alle fünf Städte über eine außergewöhnlich hohe Anzahl von Fachwerkhäuser aus sechs Jahrhunderten in der Altstadt verfügen, deren Fachwerk in der Fassade sichtbar ist. Außerdem besitzen alle diese Städte einen von etwa 1450 bis etwa 1600 typischen Haustyp, den Gerner als Dielenstadthaus bezeichnet. Er besteht im Wesentlichen aus einem Erdgeschoss und einem Zwischengeschoss mit durchgehenden Ständern und einem darüber liegenden auskragenden Geschoss.

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© Jürgen Höper: Für das Historische Rathaus Einbeck wird als Konzeptimmobilie eine Modernisierungsplanung durchgeführt.

Konzeptimmobilien
Hann. Münden und Einbeck haben in ihren Städten jeweils eine Konzeptimmobilie benannt, für die jeweils ein Modernisierungskonzept erstellt wird. Hann. Münden hat ein barockes Fachwerk-Wohn- und Geschäftshaus ausgewählt, das als Energie-Musterhaus umgestaltet werden soll. Das beauftragte Planungsbüro wird ein Modernisierungskonzept unter Berücksichtigung energetischer Sanierungsstandards und zeitgenössischer Ansprüche an modernes erarbeiten. Einbeck hat das historische Rathaus als Konzeptimmobilie identifiziert. Einige Bereiche im Obergeschoss sind untergenutzt und es fehlt die barrierefreie Zugänglichkeit. Aus den Projektmitteln wird ein Nutzungs- und Erschließungskonzept finanziert.

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© Stadt Einbeck: Zur besseren Erlebbarkeit des Straßenraumes wurden für die Magistrale der Baukultur Planungsvorschläge gemacht.

Veranstaltung
Am 26. August fand in Duderstadt der 5. Südniedersächsische Fachwerktag statt, zu dem neben Ministerialdirigentin Dr. Annette Schwandner und Professor Manfred Gerner auch Dr. Reiner Zittlau und Dr. Eckart Rüsch vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege wissenschaftliche Beiträge beisteuerten – was beim interessierten Publikum auf sehr großes Interesse stieß.

Von Juliane Hofmann
und Anna Ulrichs