Denkmalaktivist Bernd Demandt stellt sein aktuelles Projekt vor

Baubuche in denkmalgeschützen Gebäuden

1Hann. Münden. Es ist die Stadt im Süden Niedersachsens, an der Werra und Fulda aufeinandertreffen und gemeinsam als Weser bis in die Nordsee fließen. Diese drei Wasserstraßen waren die Voraussetzung für einen florierenden Handel der Hansestadt. An den Häfen, Bremer, Kassler und Wanfrieder Schlagd, wurde vom Stapelrecht Gebrauch gemacht. Vor allem die aus Eichen gewonnene Lohe zum Gerben von Fellen war hier ein wichtiges Handelsgut, aber auch Getreide und Holz aus dem Thüringer Wald wurden per Schiff oder Floß geliefert, für kurze Zeit gelagert, gehandelt und weitertransportiert. Die Lohund Getreidemühlen arbeiteten Tag und Nacht. Das Getreide war vor allem in den Kriegsjahren ab 1914 ein überlebenswichtiges Gut. Die Gebäudetechnik in der Mündener Mühle am Fuldaufer wurde 1917/18 modernisiert. Die dazugehörige Getreidelagerhalle, Hinter der Stadtmauer 11, stattete man mit Elevatoren aus, die mit hohem technischem Aufwand das Getreide in kleinen, auf Bändern montierten Schaufeln über die Straße zur Mühle transportierten. Außerdem wurde eine „Kaloriferanlage mit 55 qm² Heizfläche“ (Kalorifer ist türkisch und bedeutet Heizung) zur Trocknung des Getreides eingebaut. Die Zukunft von Getreidelager und Mühle schien festgeschrieben. Bernd Demandt steht im Erdgeschoss seines Gebäudes, dass bei den Mündenern „die Destille“ heißt. „Hier wurde nie Hochprozentiges destilliert, sondern lediglich Wein mit Hochprozentigem verschnitten“, erzählt der als Denkmalaktivist bekannte Mündener Hotelier über den quadratischen Backsteinbau aus den 1930er Jahren. Von außen scheint das dreistöckige Gebäude keine bedeutende Immobilie zu sein, Bernd Demandt weiß es aber besser. Die Spuren des Großbrandes, der kurz nach Fertigstellung der Trocknungsanlage 1918 hier gewütet hatte, fand er unter dem Betonboden im Erdgeschoss und verglich ihn mit den Bauplänen der Anlage Anno 1917. Es müssen sehr hohe Temperaturen geherrscht haben, geschmolzene Überreste aus Eisen und Stein beweisen das. Der Gewölbekeller unterhalb der Trocknungsanlage stammt aus dem Übergang vom 14. zum 15. Jahrhundert, an dem darüber liegenden Gebäude wurde 1796 und 1888 gebaut. Der „Denkmalaktivisten“, hat seit 1995 vier historische Fachwerkhäuser, eine Kirche und in 2005 dieses Lagerhaus gekauft und alle Gebäude zu neuem Leben erweckt. Die Destille war zu der Zeit bereits zwei Jahrzehnte unge­nutzt. Allein die Lage und die Tat­sache, dass viele Renaissancebau­ten die Hofanlage umgeben, wertet das Objekt für ihn auf. Pläne für ein Hotel, in dem Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung komfortabel wohnen können, wur­den erarbeitet, konnten aber nicht umgesetzt werden. „Wenn ich mir so ein Gebäude von innen ansehe, habe ich ganz schnell die ersten Ideen, was man daraus machen könnte“, sagt Demandt. Weil das anderen auch so geht, hat er seit 2007 das Denkmalkunst-Kunst­denkmal Festival in Hann. Münden etabliert. Kunst in leerstehenden Gebäuden zu zeigen, um den Ge­bäuden dadurch eine Bühne zu geben, das war das Ziel. Das Festi­val fand alle zwei Jahre statt. Bis 2013 konnten dadurch neue Ei­gentümer für zehn Gebäude ge­funden werden. Alle wurden ener­getisch saniert, natürlich unter Berücksichtigung der Denkmalauf­lagen. In der Destille baute De­mandt das neue Furnierschicht­holz BauBuche als Unterzug in der Erdgeschossdecke ein. Denn dort ist das die ideale Lösung. „In dem Getreidelager hatte man die Frucht kurz nach der Fertigstellung des Lagers im Jahr 1935 über zwei Me­ter hoch eingelagert und über­schritt die mit 80 Zentimeter fest­gelegte Lagerhöhe enorm“, erzählt Bernd Demandt. Tatsächlich ist in den historischen Aufzeichnungen der Baubehörde zu lesen, dass „die Tragfähigkeit der Balkendecken gefährdet war, weil die Unterzüge aus Weichholz trotz ihrer Maße von 30 x 30 Zentimetern zwischen Stil und Auflagefläche um mehrere Zentimeter quer zur Faser zusam­mengedrückt wurden.“ Mit Eichen­bohlen und Stahlblechen hatte man sie bereits unterfüttert. Hätte es in den 1930er Jahre die BauBu­che schon gegeben, wäre sie wahr­scheinlich schon damals als Unter­zug verwendet worden. Denn aufgrund ihrer hohen Druck- und Biegefestigkeit sowie des hohen E-Moduls für die BauBuche, wurde sie für die Destille gewählt. „Wir konnten die BauBuche in allen be­nötigten Längen und Querschnit­ten in höchster Qualität bekom­men, das geht mit Eichenholz nicht so einfach und ist zudem deutlich teurer“, sagt Bauherr Demandt. Die Hochleistungsträger der Firma Pollmeier wurden beim Holzhan­del bestellt und direkt an die Bau­stelle geliefert. Dort warteten Zim­mermeister Michael Franke und seinen Gesellen auf die neuen Hochleistungsträger. „Wer die Bau­Buche verzimmern will, braucht erst mal richtig scharfes Werk­zeug“, erzählt Zimmermeister Franke, der dieses Produkt zum ersten Mal verbaut hat. Mit Ketten­zügen wurden die Träger von vier Metern Länge und einem Quer­schnitt von 24 x 28 Zentimetern nach oben gezogen und verankert. „Die Balkenschuhverbinder muss­ten vorgebohrt werden. Wir konn­ten keine Spax einfach so ein­schrauben, wie wir das bei Nadelholzträgern machen“, sagt der Zimmermeister. Die sehr gute Druckfestigkeit, die geringeren Querschnitte im Vergleich zum Weichholzfurnierträger und die Tatsache, dass der BauBuche-Trä­ger sehr hohe Lasten abfangen kann, sind für Zimmermeister Franke klare Vorteile. „Der Einbau hat hier etwas länger gedauert, aber jetzt wissen wir, wie wir mit der BauBuche umgehen müssen“, erzählt er. Für Sanierungsarbeiten an Unterzügen, Tor- oder Haus­durchfahrten würde er den Hoch­leistungsträger empfehlen. „Preis und Leistungsverhältnis stimmen“, verweist er auf die Materialeinspa­rung von einem Drittel im Ver­gleich zu Nadelholzträgern. Doch bevor es in dem denkmalgeschütz­ten Gebäude zu so einer Maßnah­me kam, waren Architektin, Stati­kerin und Denkmalpfleger einzubeziehen. Letzterer hat bei starken baulichen Veränderungen zu prüfen, ob der verbleibende Denkmalwert des Gebäudes in der städtebaulichen und geschichtli­chen Bedeutung erhalten bleibt und nicht in einer materiell gestal­terischen Ausrichtung unterliegt. Schließlich sehen die Umbaupläne auch vor, dass die Geschosshöhen verändert, die Fensterhöhen ver­größert und Räume für zehn Ei­gentumswohnungen geschaffen werden. „Die BauBuche ist für das zukünftige Wohngebäude opti­mal. Gerade beim Brandschutz bieten massive Holzträger wie die­se eine hohe Sicherheit“, erklärt Denkmalpfleger Burkhard Klapp. Hierfür ist die richtige Dimensio­nierung der Querschnitte unter Berücksichtigung der Abbrandrate und der baurechtlich erforderli­chen Feuerwiderstandsdauer nö­tig. Die Statikerin Conny Jordan war für die Genehmigungsstatik zuständig und ist mit der Wahl der BauBuche zufrieden, weil man da­mit große Spannweiten mit schlan­ken Querschnitten realisieren kann. Das Erdgeschoss der einsti­gen Lagerhalle muss die Lasten der oberen drei Stockwerke abtra­gen. „Trotzdem konnten freie Ach­sen und klare Grundrisse dort mit der BauBuche erreicht werden“, sagt sie. Ausreichend getrocknete Eichenträger in diesen Abmessun­gen waren nicht zu bekommen, Weichholzträger hätten durch vie­le Stützen abgefangen, mit Knag­gen oder Stahlwinkeln verstärkt werden müssen. Und auch Sabine Momm, Architektin und für die Ge­nehmigungsplanung verantwort­lich, nennt die BauBuche eine ech­te Alternative bei der Sanierung von Altbauten. „Wir konnten hier große Längen überbrücken und die Hauptunterzüge in deckenglei­cher Höhe ausführen. Vor allem die hohe Druckfestigkeit ist bei die­sem Einsatzgebiet ein großer Vor­teil“, ist ihr Resümee. Im ehemali­gen Getreidelager werden Ende 2016, nach etwa zweieinhalb Jah­ren Bauzeit, die ersten Wohnun­gen bezogen. Die zukünftigen Be­wohner freuen sich auf ein Leben in der Altstadt und wissen um die besondere Geschichte dieses Or­tes, weil Bernd Demandt sie ihnen erzählt hat. „Nachdem die Getrei­demühle Ende der fünfziger Jahre geschlossen wurde, übernahm der Weinhändler das Haus. Ein Teil da­von wurde an die Gummifabrik vermietet und Wohnungen für Gastarbeiter aus Italien eingerich­tet“, weiß Demandt. Im Gebäude entstehen jetzt auf drei Etagen zehn Wohnungen mit 80 bis 180 Quadratmetern Wohnraum nach Wünschen der Eigentümer. Es wird einen Aufzug und Balkone geben. Ein Blockheizkraftwerk wird für günstigen Strom sorgen, die Ab­wärme als Heizquelle genutzt. Der Hof wird in Teil- und Gemein­schaftseigentum aufgeteilt und Stellplätze für die Autos geschaf­fen. Im Verkauf kostet ein Quadrat­meter in dieser Immobilie 1.350 Euro. Dieser günstige Preis zeigt deutlich, dass hier gut kalkuliert wurde. Mit der Umnutzung der Destille wiederholt sich ein Teil der Geschichte, denn das Holz für den Unterzug kommt aus dem Thürin­ger Wald. Zwar wird dieses „Bau­holz“ nicht mehr per Floß, sondern von der Firma Holz-Jordan per LKW geliefert, die Firma Pollmeier schreibt mit ihrer BauBuche aber an der Geschichte der historischen Immobilie in der Dreiflüssestadt weiter. Die Entscheidung der Nie­dersachsen, dieses innovative Pro­dukt im Altbau zu verwenden, war richtig. Für den Bauherrn und die Eigentümer ist sie wirtschaftlich und baurechtlich unbedenklich. Bei der Gestaltung der Räume lässt die BauBuche außerdem viel Raum für gute Ideen in geschichtsträchti­gen Häusern.

Von Diana Wetzestein