Beratung gegen Gebühr – Was sagen Sie dazu?

Service gehört für ein Fachgeschäft dazu

In diesen Tagen hat ein Einzelhändler aus Braunschweig mit seiner Konsequenz bundesweit für Gesprächsstoff gesorgt. Jürgen Weferling geht in seinem Baumarkt mit einer ungewöhnlichen Methode dagegen vor, dass sich Kunden bei ihm ausführlich beraten lassen, um dann die Produkte im Internet billiger einzukaufen. Er hat ein Schild aufgehängt, auf dem geschrieben steht, dass eine Beratung zehn Euro kostet. Diese Gebühr wird bei einem Kauf angerechnet. Mit dieser Maßnahme will der Händler wachrütteln. Diese Vorgehensweise hat ihm Aufmerksamkeit gebracht. Läden und Kunden diskutieren über eine Beratungsgebühr. Fünfeck.Spueren fragte einmal nach: Ist eine Beratungsgebühr gerechtfertigt? Kommt es häufig vor, dass sich Kunden im Fachgeschäft informieren, um dann preiswerter online zu kaufen? Die Umfrage unter Passanten und Einzelhändlern hat klar ergeben, dass sich die meisten gegen eine Kostenpauschale aussprechen. Vielmehr liegt ihnen eine belebte Innenstadt mit einem vielfältigen Angebot am Herzen. Sie wollen keine weiten Wege fahren, um einkaufen zu können. Und auch gibt es preislich oftmals nur geringe Unterschiede, so dass es sich gar nicht lohnt, den Weg über das Internet zu gehen. Eine Kundin erzählt sogar, dass sie online Informationen und Preise zu Produkten recherchiert, dann aber auf jeden Fall offline – also in diesem Fall in der Buchhandlung ihres Vertrauens – kauft. Händler dagegen berichten, dass nicht immer nur der reine Kauf im Vordergrund steht. Auch nutzen viele Stammkunden das Gespräch, um mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen. Vor Ort ist das möglich, online nicht. Übrigens: Der Braunschweiger Händler erhebt die „Gebühr gegen Beratungsdiebstahl“ in seinem Geschäft eher symbolisch. Es hat aber tatsächlich Kunden gegeben, die zuerst am Tresen zehn Euro bezahlt haben, bevor sie sich haben beraten lassen. (sto.)

Ulrike Tölle-Kwoczek (links) und Mitarbeiterin Susanne Jacobs sprechen sich in der Mode-Ecke gegen eine Gebühr für eine Beratung aus. Fotos. Stobbe

Ulrike Tölle-Kwoczek, Inhaberin der Mode-Ecke in Duderstadt, und Mitarbeiterin Susanne Jacobs sind sich einig, dass es keine Beratungsgebühr geben darf. „Vielmehr sollten wir als Verkäufer überzeugen, so dass gar nicht im Internet bestellt werden muss.“ In das Fachgeschäft für Damenmode kommen fast nur Stammkunden und gerade bei Bekleidung macht es Sinn vor Ort einzukaufen. „Anfassen, anprobieren und die Qualität prüfen – das geht nur im Geschäft“, sagt die Chefin, sie sagt aber auch, dass sie den Kunden zu einem Online-Kauf rät, wenn sie selbst ein bestimmtes Kleidungsstück nicht mehr vorrätig hat und es auch nicht mehr über den Lieferanten bestellen kann. Aber genau über diesen Service freut sich die Kundschaft, so dass sie beim nächsten Mal wieder gerne ins Geschäft kommt, um vor Ort einzukaufen.

G. Brill aus Gieboldehausen ist unschlüssig – einerseits findet sie, dass Beratung zum Service gehört, andererseits versteht sie, dass kein Händler für Beratung ausgenutzt werden möchte.

G. Brill aus Gieboldehausen ist zwiegespalten. Einerseits findet sie, dass eine Beratung für ein Fachgeschäft einfach eine Selbstverständlichkeit darstellt und mit dazu gehört, andererseits kann sie aber auch verstehen, dass sich Händler nicht gefallen lassen wollen, dass sich Kunden Informationen einholen, ohne dann bei ihnen zu kaufen. Sie selbst hat vor Ort eingekauft, denn es liegt ihr daran, die Städte weiterhin am Leben zu erhalten. „Wir haben schon genug tote Städte“, sagt sie.

Das Team der Parfümerie Kühle mit Inhaberin Antje Kühle (2. v. li.) spricht sich ganz klar gegen eine Beratungsgebühr aus.

Antje Kühle, Inhaberin der Parfümerie Kühle in Duderstadt, hat es auch schon erlebt, dass sich Kunden einen Duft aufgesprüht und sich nach dem Preis erkundigt haben, um dann billiger im Internet zu bestellen. Doch das kommt selten vor. Die Kunden, die in die Parfümerie kommen sind entweder langjährige Stammkunden oder internationale Gäste, die sich über die Beratung freuen und gern vor Ort im Fachgeschäft einkaufen. „Wir haben hier die loyalsten Kunden“, sagt sie und erklärt, dass es ihr ein großes Anliegen ist, dem Kunden das Einkaufen leicht zu machen. „Wir sehen es als unsere Aufgabe an, den Kunden gut zu beraten. Wir sind nicht nur Abgeber der Produkte.“ Allerdings versteht die Geschäftsfrau auch all jene, die auf das Budget gucken müssen. Ihr selbst ging es einmal so, dass sie sich für einen Kauf im Internet entschieden hat, weil dort der Preis eines Produktes tatsächlich sehr viel günstiger war als im stationären Fachgeschäft. Eine Mitarbeiterin bringt es auf den Punkt: „Im Internet fehlt die persönliche Note, es gibt keine Beratung – und außerdem packen wir jedes Produkt auf Wunsch gerne noch hübsch ein.“