Transparente Architektur lädt zu Licht ein

Das Fachwerkhaus im Sonnenlicht

Kein anderer Bautypus ist so sehr prädestiniert für sonnenlichtdurchflutete Innenräume, wie ein Fachwerkhaus. Natürliches Licht wird zu einem essentiellen Baumaterial.

Im Fachwerkhaus trifft moderne Architektur auf den natürlichen Baustoff Holz. Die Statik eines Fachwerkhauses ist extrem leicht und funktional. Ein Fachwerkhaus ist ein Skelettbau aus Holz und besteht im Wesentlichen lediglich aus senkrechten Ständern und horizontalen Schwellen, die zur Aussteifung gegen die Windbelastung mit schräg eingebauten Streben zusätzlich stabilisiert werden. Die leeren Zwischenräume, in der Fachsprache die Gefache, können völlig leer bleiben, weil sie für die Statik der Architektur nicht notwendig sind. Allerdings wurden die Gefache in der Vergangenheit oft mit einem Lehm verputzten Holzgeflecht oder mit Mauerwerk ausgefüllt. Die Bauhölzer werden bis heute weitgehend zimmermannsmäßig verbunden, möglichst unter Verzicht von Nägeln oder Schrauben.

Wände befriedigen das Bedürfnis des Menschen nach Schutz vor den Elementen, aber das natürliche Licht stellt den Bezug zwischen Innenraum und der Außenwelt her. In einem Haus aus Stein oder Beton, sind es die Wände, die die Statik ausmachen. Tragende Wände sind notwendig für die Konstruktion des Hauses, aber bedeuten auch Verlust an Transparenz. In einem Fachwerkhaus werden die Gefache nur deshalb geschlossen, weil Zimmer voneinander getrennt werden sollen. Die Gefache können aber offen bleiben, um natürliches Licht durchscheinen zu lassen oder Räume miteinander zu verbinden. Durch Lenkung und Reflexion entstehen helle, mit Sonnenlicht erfüllte Innenräume. Das eintretende Licht kann zurückgeworfen bzw. gestreut werden. Dadurch entsteht ein weiches und gleichmäßig verteiltes Licht, das den gesamten Innenraum ausleuchtet oder auch einrahmt. Die transparente und filigrane Architektur eines Fachwerkhauses schafft eine fließende Verbindung zur Natur und lässt Licht, Landschaft und Wohnraum miteinander verschmelzen.

Großzügige Glasflächen und verglaste Giebel sorgen zusätzlich für eine beeindruckende Offenheit von Fachwerkhäusern. Es kann eine völlig transparente Architektur entstehen. Die Glasflächen bieten neben ihrem optischen Reiz und kostenloser Sonnenwärme hervorragende Wärmedämmungseigenschaften. Große Fensterflächen sind eine Garantie für tageslichtdurchflutete Interieurs.

Das einfallende natürliche Licht fördert das menschliche Wohlbefinden und trägt zu einem gesunden Wohnumfeld bei. Der Mensch ist körperlich, geistig und seelisch an das Tageslicht gebunden und angepasst – kein Wunder also, dass rund 80 % aller Sinneseindrücke und der Wahrnehmung über Licht vermittelt werden. Umso wichtiger ist es, täglich Tageslicht für Körper, Geist und Seele aufzunehmen. Durch das natürliche Tageslicht und die Einbeziehung der umgebenden Natur wird die Leistungsfähigkeit der Bewohner nachhaltig gesteigert, Stoffwechsel und Hormonregulierung werden optimiert und vegetative Vorgänge im Körper unterstützt.

Dr. Helena Horn ist die Herausgeberin der internationalen Zeitschrift ArtLight. ArtLight ist ein Kunstmagazin mit dem Fokus auf Licht in der Kunst. Die Bandbreite der Inhalte umfasst zeitgenössische Lichtkunst – von den Impressionisten über Caravaggio bis hin zu Licht in der Architektur und der Fotografie. Es geht um das Medium Licht in der Kunst, der Philosophie oder den Naturwissenschaften und der Technik.

In puncto Nachhaltigkeit überzeugt das gesunde Wohnklima durch eine hervorragende Ökobilanz. Es reguliert durch seine hohe Diffusionsfähigkeit die Luftfeuchtigkeit auf natürliche Weise und ist daher auch besonders für Allergiker geeignet. Ein Fachwerkhaus ermöglicht nicht nur die harmonische Verbindung von Ökologie und Hightech – es kann auch der Traum von dem Einklang mit der Natur wahr werden.
Helena Horn