Erschließungs- und Nutzungsplanung wurde öffentlich präsentiert

Den St. Blasien-Komplex in seiner Ursprünglichkeit nutzen

Von Juliane Hofmann

 

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Die Stadt Northeim hat in einer öffentlichen Präsentation die Machbarkeitsstudie für den Ostflügel des St. Blasien-Komplexes präsentiert. Den Auftrag zur Konzepterstellung hatte das Projekt Fachwerk5Eck in Zusammenarbeit mit der Stadt Northeim an das Büro die bauhütte aus Mühlhausen in Thüringen erteilt, das mit dem Auftrag die Aufgabe bekam, die bereits angesiedelten Nutzungen zu optimieren, leerstehende Bereiche neu zu beplanen und weitestgehend Barrierefreiheit zu schaffen.

Kerstin Rolf vom Planungsbüro die bauhütte stellte zunächst das historisch bedeutende Gebäude in seinen Teilen vor. An vielen der Fassadenteilen, an Wänden und ehemaligen Fenstern kann die lange Geschichte etwa der Nicolaikirche, die im 11. Jahrhundert errichtet wurde oder der Münsterkirche, deren Kreuzgang in Teilen erhalten ist, noch abgelesen werden. Durch zahlreiche Umbauten und den Einzug von Wänden und Treppen wurde über die Jahrhunderte die ursprüngliche Gestalt immer wieder verändert. Nach Rolfs Worten habe das Büro das Gebäude zunächst sehr genau betrachtet.

Dabei fielen die Defizite auf: zur Optimierung des Innenraumes wurden in vielen Räumen die sogenannten Kopfbänder entfernt. Das sind diagonale Balken, die dem Gebäude ursprünglich Stabilität gaben. Es fiel außerdem eine wenig effiziente Nutzung des Raumangebotes auf. So ist beispielsweise das heutige Bürgerbüro sehr beengt. Wartende Besucher stehen zumeist vor dem Gebäude. Dagegen stehen andere Gebäudeteile leer. Außerdem fehlt der barrierefreie Zugang vor allem für die oberen Geschosse, in denen der Heimat- und Museumsverein und das Standesamt untergebracht sind.

Das Konzept der bauhütte sieht vor, dem St. Blasien-Komplex seine ursprüngliche Aufteilung wieder zurück zu geben. Alle Teile waren in der Anlage als Säle konstruiert. Nach den Plänen würde im Erdgeschoss der Bürgersaal durch den Abbruch einer geräumigen Treppenanlage, die in den Keller führt, vergrößert und nach Osten um die Räume des heutigen Bürgerbüros erweitert. Damit wäre dieser Bereich für Veranstaltungen, Ausstellungen und Stadtführungen nutzbar.

Einen Zugang zu den im Kellergewölbe liegenden Gebeinen von Graf Otto wäre an der Gebäuderückseite durch einen heute nicht genutzten Zugang möglich.

Das Bürgerbüro würde oberhalb der Klosterschänke angesiedelt. Hier sollte der ursprüngliche Saalcharakter durch das Beseitigen der Innenwände wiederhergestellt werden. Den großzügigen Innenraum könnten Tresen und Glaswände unterteilen.

Oberhalb des heutigen Bürgerbüros würden laut Plan die Räume des Heimat- und Museumsvereines um einen Lesesaal erweitert, der die Nutzung zu Recherchezwecken erlaube. Auch hier sollte der ursprüngliche Saalcharakter durch das Beseitigen der Innenwände wiederhergestellt werden und die Stabilität des Raumes durch das Wiederanbringen von Kopfbändern gewährleistet werden.

Auch das zweite Obergeschoss bietet durch eine leerstehende Wohnung das Potential dem Standesamt einen weiteren repräsentativen Raum zuzuschlagen, der sowohl für größere Traugesellschaften wie auch für Sektempfänge nutzbar wäre. Um Barrierefreiheit zu schaffen, würde das bestehende Treppenhaus neu konstruiert und um einen Fahrstuhl ergänzt. Den Zugang dazu könnte eine Neugestaltung des Vorplatzes garantieren, der vom Münsterplatz aus kommend einen sanften Anstieg zu den Eingängen schafft.

Alle vorgeschlagenen Maßnahmen dienen dazu, dem Gebäude durch seine Ausgestaltung das repräsentative Aussehen zu geben, das seiner historischen Bedeutung entspricht und zugleich durch eine dauerhafte Nutzung Leerstand zu beseitigen und Publikumsverkehr zu gewährleisten.

Die Präsentation des Planungsbüros ist im Internet unter dem Link www.northeim.de/wirtschaft-bauen/fachwerk-fuenfeck.html zu finden.