tt schütze dieses Haus vor Feuer, Sturm und Denkmalschutz

Denkmalpfleger sind auch nur Menschen

Allegorien, Eselsbrücken, Feuerböcke und Kälberzähne, Neidköpfe, Figurenknaggen und Schreckmasken – an ein neu gebautes Haus wird niemand sowas anbringen. Die Reichhaltigkeit der Handwerkskunst gibt jedem Fachwerkhaus seinen Individualismus. Unverwechselbare Kulturlandschaften, die unsere Vorfahren für uns geschöpft haben, werden wieder geschätzt. Ist man Besitzer eines Denkmals, besitzt man Geschichte und hat Verantwortung beim Sanieren und den Denkmalpfleger als Ansprechpartner. In dieser Ausgabe Burkhard Klapp, untere Denkmalschutzbehörde.

Fachwerk.SPUeREN: Welche Vorteile hat die Einstufung eines Hauses als Denkmal?
Burkhard Klapp: Man hat etwas Besonderes, denn Baudenkmale gehören zur besonderen historischen Baukultur, an ihrer Erhaltung besteht ein öffentliches Interesse. Mehraufwendungen bei Modernisierungen, Renovierungen, Sanierungen oder Rekonstruktionen können durch Zuschüsse der Landesdenkmalämter gefördert werden, energetische Ertüchtigungen oder Sanierungen sind im Rahmen des Kfw-Sonderprogrammes „Effizienzhaus Denkmal“ über zinsgünstige Darlehn finanzierbar, alternativ können auch Zuschüsse in Anspruch genommen werden (Nur bei Wohnnutzung). Baumaßnahmen an Baudenkmalen, die dem Erhalt oder der sinnvollen Nutzung dienen, können erhöht steuerlich geltend gemacht werden. Das bedeutet, dass die Investitionen zu 100%, bei Eigennutzung zu 90% auf 12 Jahre abgeschrieben werden können. Die Abschreibung ist im Einkommenssteuergesetz (EStG) in den §§ 7i, 7h, 10e geregelt.

 Fachwerk.SPUeREN: Welche sonstigen Konsequenzen hat die Einstufung meines Hauses als Denkmal?
Burkhard Klapp: Alle Maßnahmen an Baudenkmalen sind mit den Denkmalbehörden abzustimmen, in der Regel in Form einer gebührenfreien denkmalrechtlichen Genehmigung. Instandsetzungs- bzw. einfache Reparaturarbeiten sind i.d.R. genehmigungsfrei (§10 NDSchG).

Fachwerk.SPUeREN: Kann mir das Denkmalschutzamt beliebige Auflagen machen, Materialien oder teure Handwerker vorschreiben?
Burkhard Klapp: Erst wenn feststeht, dass ein Gebäude ein Baudenkmal ist, kommt der Denkmalpfleger ins Spiel. In Niedersachsen kann die Denkmalpflege, solange der Eigentümer an seinem Gebäude keine genehmigungspflichtigen Maßnahmen vornehmen will, keine Auflagen machen. Es sei denn, der Eigentümer vernachlässigt seine Pflicht zur Instandsetzung und sinnvollen Nutzung.

Fachwerk.SPUeREN: Muss ich etwas an meinem Haus wieder entfernen, wenn es nun als Denkmal eingestuft ist?
Burkhard Klapp: Möchte der Eigentümer Baumaßnahmen machen, die dazu führen könnten, dass das eine oder andere zum Wohle des Denkmals korrigiert würde, dann ja. Oder im Rahmen einer Kompensationsvereinbarung, wenn eine beabsichtigte Maßnahme nur dann genehmigt werden kann, wenn die Beeinträchtigung entfernt wird. Grundsätzlich ist in diesen Fällen aber eine sorgfältige Beratung und Abstimmung mit Denkmalpfleger, Architekt und Bauherr anzuraten.

Fachwerk.SPUeREN: Was sind die häufigsten Probleme mit den Sanierern?
Burkhard Klapp: Oft sind die Sanierer beratungsresistent, wollen sich nicht reinreden lassen, haben nur ein Oberfächenwissen aus dem Baumarkt, viele wollen billige statt richtige Baustoffe und Baukonstruktionen einbauen. Aber: billig ist teurer als richtig! Viele sehen die Notwendigkeit von Brandschutz nicht ein oder wollen die Genehmigungspflicht bestimmter Sanierungsmassnahmen nicht akzeptieren. Aussagen wie: „Da will man schon was machen und dann muss ich auch noch eine Genehmigung haben – was das alles kostet – ihr habt sie doch nicht alle!“, hört man nicht selten. Viele sind grundsätzlich gegen Holzsprossenfenster oder grundsätzlich gegen alles, was nicht die eigene Idee ist. Viele wollen nichts machen, weil ja alles viel zu teuer ist und die Stadt ja nicht mit Geld hilft oder am besten alles bezahlt, viele empfinden es als gesellschaftliche Strafe, ein Denkmal oder ein Fachwerkhaus zu besitzen. Viele Sanierer wollen in ihrem alten Haus Neubaustandard haben und verstehen nicht, dass der dann besonders teuer wird und das alte Haus doch nie ein Neubau werden kann. Viele haben kein Gespür für die weichen Faktoren des Altbaus, für die Atmosphäre, für die Seele, für das Herz des Altbaus. Viele wollen viel zu viel verändern und können den Bestand nicht akzeptieren und wenn es dann richtig teuer war, ist der Altbau dran schuld. Oder die Denkmalpflege. Aber es gibt auch andere Sanierer. Und glücklicherweise immer mehr!

Fachwerk.SPUeREN: Wie könnte man den schlechten Ruf des Denkmalpflegers aufräumen?
Burkhard Klapp: Meinung 1: Das Wort Denkmalpflege/Denkmalschutz durch besondere historische Baukultur ersetzen, denn nach Inkraftretzen der Denkmalschutzgesetze in den alten Bundesländern in den 1970er Jahren wurde in der Anfangszeit durch Überaktionismus zahlreicher Denkmalpfleger der Boden in der Gesellschaft verbrannt, schnell bekam die Denkmalpflege ein Negativimage. Denkmalpflege wurde mit Enteignung verglichen, in der Denkmalpflege hatte man angeblich überhaupt keine Rechte mehr, man hatte nur zu bezahlen. Sprüche wie: „Gott schütze dieses Haus vor Feuer, Sturm und Denkmalschutz“ sind entstanden. Auf verbrannter Erde wieder etwas anzupflanzen, dauert lange. Vielleicht könnte eine neue Bezeichnung das Thema beschleunigen. Grundsätzlich hat aber die deutsche Einheit mit dem Wiederaufbau Ost und den tollen Erfolgen in der Stadtsanierung und dem Ergebnis der tollen ostdeutschen historischen Städte der Bevölkerung auch deutlich gemacht, was Denkmalpflege bedeutet.
Meinung 2: Sehr intensiv auf die Denkmalbesitzer eingehen, zuhören, erläutern, beraten, helfen, unterstützen – das ist sehr aufwändig und braucht viel Geduld und Ausdauer.
Meinung 3: Durch gute PR und gute Presse- und Medienarbeit.
Meinung 4: Durch gute Öffentlichkeitsarbeit – Tag der offenen Baustelle, Stadtführungen, Stadtführerausbildung, Tag des offenen Denkmals, DenkmalKunstKunstDenkmal, 9×24 etc.
Meinung 5: Durch initieren von Denkmal-Sympathisanten: Denkmalaktivisten, Förderverein, Bürgergenossenschaft, Stadtführergilde etc.“
Bauen im Bestand bedeutet also: erst die historische Baukultur instand zusetzen, dann am Denkmal weiterbauen. Und wir müssen in den Städten weiterbauen, sie weiter entwickeln, denn ohne Veränderung kommt das Ende. Auch alte Städte müssen dynamisch sein, dann sind die Städte auch bei jungen Menschen wieder hip und genau das sollte das Ziel sein.