Fachwerkjournalistin Diana Wetzestein über ein Buch für alle

Der Bürger als Motor der Innenentwicklung

© Florian Renneberg

Die ländlichen Regionen haben große Potenziale. Es gibt ausreichend Platz für Menschen, die ihre Lebensqualität verbessern wollen, engagierte Bürger, günstige Immobilien und die Natur vor der Haustür. Hier können Ideen verwirklicht werden, die weitere Aktionen nach sich ziehen. Es ist die Zeit der Bürgerinitiativen. Meist zufällig finden sich die Menschen zusammen, die etwas bewirken können. Werden sie ausreichend wahrgenommen und unterstützt, kann das die Innenentwicklung unterstützen und sogarlenken. Die Publikation „Hier leben sie richtig“, herausgegeben von der Herbert Quandt-Stiftung in der Reihe Gedanken zur Zukunft, macht deutlich, wo und warum Innentwicklung durch Bürgerengagement erfolgreich ist.

„Als Fachwerkjournalistin bin ich seit einigen Jahren in vielen Orten unterwegs gewesen, habe Verfall und großen Sanierungsstau, aber auch Restaurierung, energetische und zeitgemäße „Updates“ der Häuser und erstaunlich kreative Lösungen für neue Wohnformen gesehen. In einzelnen journalistischen Beiträgen für die Arbeitsgemeinschaft Deutsche Fachwerkstädte, für die ich auch die Fachwerk Triennalen 12 und 15 begleiten durfte, schrieb ich über dutzende interessante Projekte. Dahinter standen immer interessante Menschen mit den verschiedensten Ideen und Begabungen, viele davon im Fachwerk Fünfeck.

Der Auftrag der Herbert Quandt-Stiftung eine Veröffentlichung darüber zu schreiben, war für mich eine große Herausforderung. Mit einem knappen Zeitfenster von vier Monaten sollte aus einzelnen Puzzlestücken ein ganzes Bild werden. Es war nicht möglich, die Berichte einfach in einer bestimmten Reihenfolge zusammenzustellen, alles musste neu begriffen werden. In meiner Arbeit habe ich viele positive Fakten über die verschiedenen Initiativen noch einmal zusammengefasst und meine Eindrücke mitberücksichtigt. Die Fachwerkstädte stehen vor einer großen Herausforderung, aber es gibt deutschlandweit Bürger, die erfolgreich Lösungen finden. Aber nutzten diese die Chancen, mitzugestalten und etwas zu bewegen. Und es gibt sie, die Leiter von Bauämtern, die besser kommunizieren, als andere und darum mit ihren Bürgern und für ihre Stadt mehr rausholen. Es gibt auch den Denkmalpfleger, der bürgernah Lösungen findet.

Bei allen Aktivitäten werden auch Sachstandserhebungen über die Anzahl und den Zustand denkmalgeschützter Gebäude im Ortskern geliefert, entwickeln sich weitere Ideen, werden Spender, Sponsoren und Fördervereine zur Finanzierung motiviert. So geht erfolgreiche Innenentwicklung. Die Bürger kommen als Motor der Innenentwicklung dann richtig auf Hochtouren, wenn die Kommunikation zwischen den Akteuren funktioniert, wenn sie verstehen, was sie tun können, dürfen und müssen. Sie wollen teilhaben und teilnehmen, sie sind zudem bereit, Verantwortung zu übernehmen. Ob im Verein, in der Genossenschaft oder einfach nur in der Initiative ohne besondere Rechtsform, jeder Bürger kann sich beteiligen, kann durch Spenden oder Mitgliedschaft die Initiative unterstützen.

Beispiele aktiver Mitarbeit an der Entwicklung habe ich aus Ebersbach-Neugersdorf, Wanfried, Witzenhausen, Wolfhagen und Homberg (Ohm) ausgewählt. Und im Kapitel über Hann. Münden kommt nicht nur der Denkmalaktivist, sondern auch der Denkmalpfleger zu Wort, der sich selbst als Dienstleister seiner Bürger beschreibt und weiß, dass es auf die richtige Kommunikation mit dem Bürger ankommt. Am Ende hatte ich fast 100 Buch-Seiten zusammengetragen und konnte ein positives Fazit ziehen:

Ganz gleich, ob Verein, Genossenschaft oder Initiative ohne Rechtsform – alle zeigen: Die Idee, die ernst genommen und weitergesponnen wird, kann zur rettenden ersten Aktion werden. Und es zeigt sich zudem, dass jedes noch so kleine Projekt weitere nach sich zieht. Viele Bürgermeister haben bereits erkannt, dass Innenentwicklung vor Außenentwicklung gehen muss, lediglich nach der optimalen Kommunikation mit dem Bürger wird gesucht. Zeitgeist ist das Ringen um Aufmerksamkeit. Bei der Masse an Angeboten und Nachrichten gesehen zu werden, ist schwer. Dabei müssten die Einwohner eines Ortes lediglich selbst zu Multiplikatoren werden. Von innen nach außen können Erfolge und positive Nachrichten große Kreise ziehen, wenn die Akteure stetig dranbleiben und Erfolge spüren. Hier könnte Schluss sein.“