Einbecks Bürgermeisterin im großen Interview

„Denkmal- und Klimaschutz müssen sich nicht ausschließen“

Seit 2013 ist Sabine Michalek Bürgermeisterin der Fachwerkstadt Einbeck, im Herbst wurde sie nun
wiedergewählt und geht damit in ihre zweite Amtszeit. Dem 5Eck.Spueren stand sie nun Frage und Antwort
rund um das Fachwerk, das in Einbeck so präsent ist.

Sabine Michalek wurde im Herbst zum zweiten Mal zu Einbecks Bürgermeisterin gewählt. Foto: privat
5Eck: Wie kann man den Denkmalschutz mit dem Klimaschutz zukunftsweisend verbinden?

Sabine Michalek: Denkmalschutz und Klimaschutz müssen sich nicht ausschließen. Die wichtigste Regel im Umgang mit Baudenkmalen und erhaltenswerten Gebäuden ist, statt der Umsetzung von Standarddämmmaßnahmen immer das konkrete Gebäude mit seinen Bauteilen im Blick zu haben.

Schwerpunkte für die Energieeinsparmaßnahmen bei denkmalgeschützten Gebäuden, sind die Reduzierung des Heizwärmebedarfs durch die energetische Ertüchtigung der Außenbauteile wie Fenster und Dach, der Austausch der alten Wärmeerzeuger und der Einsatz regenerativer Energiequellen. Bei denkmalgeschützten Gebäuden sind manche Maßnahmen nicht oder nur sehr aufwendig möglich, wie etwa die Außendämmung. Dagegen eignen sich meist alle horizontalen Dämmmaßnahmen wie die Dämmung der obersten Geschossdecke und die Kellerdeckendämmung ohne Einschränkungen. Besonderes Augenmerk ist mit Blick auf bauphysikalische Zusammenhänge auf die Wahl der Baustoffe und den materialgerechten Einsatz zu legen. Bei Photovoltaikanlagen gibt es mittlerweile in die Dachfläche integrierbare Varianten, die allerdings preislich deutlich über den herkömmlichen Paneelen liegen. Hier muss wie immer der Einzelfall geprüft werden.

Welche Ideen für neue Leerstandskonzepte können in Innenstädten greifen?

Unsere Fachwerkinnenstädte sollen weiterhin Raum bieten für Wohnen und Arbeiten, für Einzelhandel und Gastronomie, für Kunst, Kultur und Aufenthaltsqualität. Das sind also ganz breit gefächerte Anforderungen und deshalb eine große Herausforderung für alle – für die Hausbesitzer, die Mieter, die Stadt, die Bevölkerung.

Wir brauchen eine gute Kommunikation zwischen den Eigentümern und den Ladenmietern, eventuell auch individuelle Vereinbarungen bei den Mieten wie Staffelmieten für Start-Ups. Aber auch der Umbau von Ladengeschäften zu Wohnraum, offene Werkstätten, Erlebnisgastronomie, Co-Working-Büros in Ladengeschäften sind Ideen. Gute Beispiele und Beratung beim Umbau und der Sanierung sind aber genauso wichtig. Eine Einstellung eines City-Managers oder die Gründung einer Genossenschaft – wie in Hann. Münden – von Denkmalaktivisten, die gemeinsam sanieren sind tolle Ansätze, aber auch unser angedachtes Förderprogramm „Gute Nachbarschaft“ sind gute Ansätze.

Welche Ideen – neben den Schlaufenstern – wurden aus Einbeck in das FachwerkFünfeck getragen?

Neben den Schalufenstern gibt es noch die StadtpARTie, die Alarmstufe Rot und das Fachwerk-Hooray von Patricia Keil, die sich mittlerweile etabliert haben und gut ankommen!

Was wird in Einbeck aktiv für den Klimaschutz getan?

In Einbeck haben wir in den vergangenen Jahren mit einigen Projekten den Klimaschutz in Angriff genommen. Darunter unter anderem die Verbesserung der Fahrradfreundlichkeit mit einem umweltfreundlichen Nahmobilitätskonzept und Fahrradgarage. Der Ausbau der Elektromobilität mit dem Ausbau der Ladeinfrastruktur und der Ausweisung von Windvorranggebieten ist ebenfalls ein großer Schritt zum Umweltschutz. Neben diesen Projekten haben wir auch die Unterstützung der Lastenradinitiative und den Umbau des Zentralen Omnisbusbahnhofs und damit die Förderung des ÖPNV unterstützt.

Welche Klimaschutzprojekte sind noch geplant?

Nach und nach soll die energetische Sanierung der öffentlichen Liegenschaften in Angriff genommen werden. Zudem prüfen wir den vermehrten Einsatz von Photovoltaik-Anlagen auch auf öffentlichen Gebäuden.

In welchem Ausmaß ist Bürgerengagement in der Denkmalaktivisten-Szene willkommen, wie wird es gelebt und unterstützt?

Stadtentwicklung geht uns alle an. Deshalb ist jede Initiative, die dazu beiträgt, unserer baukulturelles Erbe zu erhalten herzlichen willkommen. Wir versuchen jeder Initiative so gut es geht unter die Arme zu greifen und freuen uns darüber, wenn unsere Bürger sich für ihre Heimatstadt einsetzen.