Von Anna Laura Ulrichs und Juliane Hofmann: Die Geschäftsstelle informiert

Fachwerk-Fünfeck: Fünf Städte – ein Ziel

Anna Laura Ulrichs (re), Fachwerk-Managerin, und Juliane Hofmann bilden zusammen die Geschäftsstelle des Fachwerk-Fünfecks mit Sitz im Rathaus Northeim. Foto: Patricia Kenar
Anna Laura Ulrichs (re), Fachwerk-Managerin, und Juliane Hofmann bilden zusammen die Geschäftsstelle des Fachwerk-Fünfecks mit Sitz im Rathaus Northeim. Foto: Patricia Kenar

 

Neue Impulse für den Tourismus,die Gestaltung der Städte und die Wirtschaft setzt das Fachwerk-Fünfeck in den fünf Partnerstädten Duderstadt, Einbeck, Hann. Münden, Northeim und Osterode am Harz. Zugleich soll das Bewusstsein für die Besonderheit des kulturellen Erbes bei den Bewohnern der Region, bei den Touristen, Bauherren, Handwerkern und möglichen Investoren geschärft werden. Es geht um Stadtentwicklung in fünf Themenfeldern, aber vor allem geht es darum, aus fünf Städten eine Region wachsen zu lassen.

Organisation des Projektes

Die Geschäftsstelle des Fachwerk- Fünfecks besteht seit dem 1. August 2015 und treibt das Projekt gemeinsam mit Vertretern der Bauämter der fünf Städte voran. Jede der Städte hat sich als Pate für eines der fünf Handlungsfelder zur Verfügung gestellt, da das Thema „Fachwerk“ viele Bereiche berührt.

Das Projekt ist in fünf Handlungsfelder eingeteilt. Jede Stadt steht Pate für eines davon.
Das Projekt ist in fünf Handlungsfelder eingeteilt. Jede Stadt steht Pate für eines davon.

Stadtentwicklung
Die Stadt Einbeck beschäftigt sich mit den Fragen der Stadtentwicklung, die allerorten gestellt werden. Wie muss sich eine historisch gewachsene Stadt weiterentwickeln, damit sie weiter als Stadtkern funktioniert? Wie lassen sich bei Umbaumaßnahmen moderne Ansprüche mit den Regeln der Denkmalpflege vereinen? Wie gelingt es, das baukulturelle Erbe einer Stadt nicht zur filmreifen Kulisse zu degradieren, sondern als modernen Wohnraum attraktiv zu halten? Mit der „Magistrale der Baukultur“, Verbindungsachse quer durch die historische Altstadt, wurde das erste Projekt im Fachwerk-Fünfeck angeschoben. Mit der Hilfe eines Planungsbüros konnten zunächst in einem großen Beteiligungsprozess die ansässigen Interessengruppen nach ihren Bedürfnissen bezüglich des Straßenzuges Stellung beziehen. Daraufhin entwickelten die Planer erste Vorschläge, die vor allem die Verhältnisse von parken, wohnen, Nutzung als Geschäftsstraße, Straßenverkehr, Außenbestuhlung, Begegnungsraum neu skizzieren. Dabei spielen auch Bodenbelag, Barrierefreiheit, Beleuchtung, Sitz- und Spielmöglichkeiten und nicht zuletzt auf den ersten Blick profane Aspekte, wie Fahrradständer und Mülleimer eine große Rolle. Mit diesen Planvorschlägen kann die Stadt Einbeck nun in die örtlichen Gremien zur Abstimmung gehen und dort das weitere Vorgehen planen.

Tourismus
Dass in den Touristen ein großes Potential für die Fachwerk- Städte liegt, leuchtet allen ein. Diesem Thema hat sich die Stadt Osterode verschrieben. Man stellt sich dort die Fragen: Wie können mehr Touristen gewonnen werden und wie kann deren Aufenthaltsdauer verlängert werden? Wie lässt sich dabei das Erlebnis der verschiedenen Naturräume einbeziehen? Dazu wird aktuell ein touristisches Konzept beauftragt, das die Region mit allen ihren Highlights und Qualitäten zusammenfasst und erlebbar macht. Außerdem entstehen Routenführungen, die interessierte Radfahrer oder motorisierte Fahrer durch das Fünfeck leiten. Die öffentliche Präsentation der Ergebnisse und der Start der Umsetzung wird im Sommer 2016 erwartet.

Fachwerk-Kompetenz
Der Kompetenz in Fragen des Fachwerks hat sich die Stadt Hann. Münden angenommen. Hier geht es darum, einem interessierten Publikum die fachlichen Inhalte rund um die Fachwerkbaustile, Renovierungsmöglichkeiten, Ratgeber und Literatur näher zu bringen. In Hann. Münden entsteht daher ein Konzept für die Errichtung einer dauerhaften Anlaufstelle zum Wissen rund ums Fachwerk und einer Lernbaustelle. Neben Hausbesitzern und Handwerkern sind auch Kinder, Auszubildende und Geflüchtete mögliche Zielgruppen.

Kulturerbe
Die Stadt Duderstadt stellt sich der Frage: Was macht das Fachwerk im Fünfeck besonders? Wie kann das Fachwerk-Fünfeck zum Weltkulturerbe werden? Wie kann die Wertschätzung der Baukultur in der Region gesteigert werden? Aus diesem Grund wurde der Fachwerk-Sachverständige Professor Manfred Gerner mit einem Gutachten über die Bausubstanz in den Altstädten des Fünfecks beauftragt. Er untersucht zurzeit die Besonderheiten und Gemeinsamkeiten der Bauformen im Fünfeck.

Marketing
Für die Vermarktung aller Erkenntnisse, Studien und Konzepte ist die Stadt Northeim zuständig. Mit Hilfe eines Marketing-Konzeptes werden die Maßnahmen zur Steigerung der Bekanntheit ausgelotet. In diesem Zusammenhang spielt auch das Potenzial nach innen, also das Zusammengehörigkeitsgefühl der Fünfeck-Bewohner eine große Rolle: Kann die Heimat größer als die eigene Stadt sein? Wie viele der Bewohner haben die Sehenswürdigkeiten der Partnerstädte noch nie aus der Nähe gesehen?

Der Geist des Fünfecks
grafik_fuenfeckDie Fünfteilung der Aufgaben ist gewollt und wurde bereits mit dem Antrag auf Förderung beim Bundesbauministerium eingereicht. Dort erhielt das Projekt die Förderung im Projektrahmen „Nationale Projekte des Städtebaus“, weil auch dem Bundesbauministerium die Vernetzung der Städte und die Herausstellung ihres baukulturellen Erbes als besonders förderwürdig erscheint. Ganz im Geiste des Projektes entwickeln sich bereits parallel zu den geförderten Maßnahmen Verknüpfungen aktiver Bürger der Städte, die ebenfalls das Prinzip „gemeinsam sind wir stärker“ für ihre Ideen nutzen. So breitet sich derzeit das Mündener Erfolgsmodell DenkmalKunst-Festival über alle Städte aus, die Einbecker Schlaufenster halten in den anderen Städte Einzug, die Einbecker Kulturszene vernetzt sich in den vier anderen Städten und der Osteroder Fotostammtisch sucht Nachahmer für sein Jahresthema „Fachwerk“. Die Geschäftsstelle freut sich über den Schwung, den das Projekt aufnimmt, und lädt alle Bürger und Unternehmer der Region herzlich ein, ebenfalls im Fünfeck zu denken und mitzumachen.