Fledermaushaus Duderstadt – die ganze Story auf www.fachgebiet.net

Kleine Wesen im Fachwerk

Europe, DEU, Germany, Niedersachsen, Duderstadt. 18.07.2017. Markus Merten, Fledermausbetreuer im Rathaus Duderstadt fuettert ein 14 Tage altes Grosses Mausohr. Foto: Visum/ Stefan Sobotta

Von Stefan Sobotta

Über 700 Jahre. Das Rathaus in Duderstadt ist eines der ältesten in Deutschland. 1984 würdigte die Bundespost das einmalige Ensemble sogar mit einer eigenen Briefmarke. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts als Kophus (Kaufhaus) erbaut, diente es späteren Generationen auch als Verwaltungs- und Gerichtsgebäude. Vom Keller bis zum Dach atmet das Gebäude Geschichte. Ganz oben, da wo nur noch der Himmel kommt, da birgt es ein spannendes Geheimnis.
Neben aller menschlichen Historie lebt eine Gemeinschaft hunderter kleiner Wesen im Sommer unter dem Rathausdach: Fledermäuse der Art Großes Mausohr. Markus Merten kümmert sich um sie und erzählt seine und ihre Geschichte im Storytelling-Projekt Fachgebiet.net.
Hunderte Bewohner leben in dem Gebäude – kleine soziale Wesen. Für Sie ist der alte Bau Heimat und Wohnung zu gleich. Fledermäuse fliegen hier im Sommer ein und aus und besiedeln den Dachboden. Im Winter ziehen sie um in ihre Winterquartiere in Höhlen im Ohmgebirge. Dort warten sie schlafend auf den Frühling. Hausmeister Markus Merten kümmert sich in seiner Freizeit liebevoll um die kleinen Bewohner. Er sorgt dafür, dass sie nicht gestört werden. Falls notwendig füttert er Jungtiere auch und päppelt sie auf.
Der Zugang zum Dachboden ist streng verboten. Nichts soll die flauschigen Flugkünstler stören. Das so­genannte Große Mausohr braucht geschützte Lebensräume. Seit einigen Jahren ermöglicht eine Kamera jedoch den direkten Einblick in diese besondere Welt. Auf einem Monitor wird das Bild von Infrarotkameras übertragen. Auf diese Weise können Besucher Einblicke in eine Welt ohne Licht bekommen, die so sonst nicht möglich sind.
Neben dem Fledermaus-TV informiert eine Ausstellung im 4. Obergeschoss unter dem Motto „Natur erleben“ über diese besonderen Tiere. Die Infotafeln geben interessante Einblicke in eine Welt, die nicht optisch, sondern akustisch mittels Schallwellen von ihren Bewohnern erfasst wird. Das Große Mausohr ist durch das Bundesartenschutzgesetz streng geschützt.

Ausser den beeindruckenden kleinen Flugkünstlern bietet das Rathaus noch viele Geheimnisse, die es zu entdecken gibt. Wer über den vierten Stock hinaus steigt kann von einem der Rathaustürme weit über die Stadt und ins Land blicken. Von hier sieht man dann auch das Jagdrevier der Fledermäuse.