Programm „TRAFO – Modelle für Kultur im Wandel“

Kultureinrichtungen auf Transformationskurs

Wie müssen Kultureinrichtungen ihre Angebote in ländlichen Regionen verändern, um möglichst viele Menschen für Kunst und Kultur zu interessieren? Und welches Entwicklungspotential haben Museen oder Bibliotheken für die Gestaltung zukünftiger gesellschaftlicher Aufgaben? Seit diesem Jahr nehmen die Stadtbibliothek Osterode am Harz, das Jacobson-Haus Seesen und vier Oberharzer Museen und Besucherbergwerke innerhalb der UNESCO-Welterbestätte Bergwerk Rammelsberg, Altstadt von Goslar und Oberharzer Wasserwirtschaft am Programm „TRAFO“ – Modelle für Kultur im Wandel, einer Initiative der Kulturstiftung des Bundes, teil. Ziel des Programms ist es, Kultureinrichtungen dabei zu unterstützen, ihre Häuser zu öffnen und zu spannenden Lern- und Kulturorten weiterzuentwickeln. Am Mittwoch, den 11. Mai fand in der Osteroder Stadthalle die große Auftaktveranstaltung der drei TRAFO-Projekte statt. Zunächst stellten der Bürgermeister der Stadt Osterode am Harz Klaus Becker, der Bürgermeister der Stadt Seesen Erik Homann sowie der Direktor der Stiftung UNESCO-Welterbe im Harz Gerhard Lenz ihre Transformationsvorhaben für die kommenden Jahre vor:

Stadtbibliothek Osterode am Harz
Im Rahmen des TRAFO-Projekts wird die Stadtbibliothek Osterode am Harz zu einem nicht-kommerziellen Ort der Begegnung für Kommunikation, Bildung und Kultur transformiert. Unter dem Titel „Inter-KULTUR-Labor“ wird das Medienangebot durch fremdsprachige und neue Medien erweitert und die Räumlichkeiten für ein vielfältiges Bildungs- und Kulturangebot insbesondere für Familien mit und ohne Migrationsgeschichte nutzbar gemacht. In enger Zusammenarbeit mit Kultureinrichtungen der Stadt werden darüber hinaus Angebote der interkulturellen Theaterarbeit mit Jugendlichen entstehen sowie zweisprachige Lesungen und Schreibwerkstätten angeboten.

Weltkultur transformiert eine Region
Um die strukturelle, inhaltliche und operative Neuausrichtung unter einem gemeinsamen Dach geht es auch beim Oberharzer Bergwerksmuseum in Clausthal -Zellerfeld, der Grube Samson in St. Andreasberg, dem Besucherbergwerk 19-Lachter- Stollen in Wildemann und der Schachtanlage Knesebeck in Bad Grund. Ziel ist es, diese lokalen Erinnerungsstätten zu modernen Vermittlungsorten zu transformieren. Wichtige Schwerpunkte sind neue Museumsentwicklungskonzepte, Trägerschaftsmodelle, Ausstellungskonzeptionen, Besucherleitsysteme oder die Fortbildung des Museumspersonals. In Kooperation mit Schulen, der Oberharzer Bevölkerung und allen Institutionen des Welterbes im Harz soll der Einzug ins gemeinsame Welterbe-Haus im jahr 2019 verwirklicht sein. Unterstützt werden diese Vorhaben mit über 2,8 Millionen Euro durch das Programm „ TRAFO“ – Modelle für Kultur im Wandel, eine Initiative der Kulturstiftung des Bundes.

Podiumsdiskussion: Zukunft von Kultureinrichtungen
FuenfeckSPUeREN_Ausgabe201606_04_druckfinalIm Anschluss an die Projektpräsentationen diskutierten Hortensia Völckers, Künstlerische Direktorin der Kulturstiftung des Bundes, Dr. Annette Schwandner, Abteilungsleiterin Kultur im Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur, Barbara Lison, Vorsitzende des Deutschen Bibliotheksverbandes und Direktorin der Stadtbibliothek Bremen, sowie Dr. Jan Willem Huntebrinker, Leiter Bildung & Kommunikation des Historischen Museums Hannover, über die „Zukunft von Kultureinrichtungen im ländlichen Raum“. Dabei wurde deutlich, vor welchen Herausforderungen ländliche Regionen stehen: Durch das Wegbrechen jüngerer Generationen, durch den wirtschaftlichen Strukturwandel, das Zusammenlegen von Landkreisen, durch den Zuzug von Zuwanderern, das Sterben von Vereinen, oder durch städtischen Leerstand, der neu bespielt werden will. Als freiwillige Aufgabe der Gemeinden stehen vor allem auch die Kultur und die Kultureinrichtungen zur Disposition. Dabei sind Kultur- und Bildungseinrichtungen wie Theater, Museen, Bibliotheken, Musikschulen oder Volkshochschulen zum einen wichtige Standortfaktoren, die insbesondere ländlichen Regionen eine hohe Attraktivität verleihen. Zum anderen haben beispielsweise Museen oder Bibliotheken großes Entwicklungspotential für die Gestaltung zukünftiger politischer und gesellschaftlicher Aufgaben.

Hintergrund
Viele ländliche Regionen haben mit folgenreichen Veränderungen zu kämpfen: Der Strukturwandel in Industrie und Wirtschaft lässt Arbeitsplätze wegbrechen, in kleineren Städten und im ländlichen Raum gibt es immer weniger Bewohner mit einem immer höheren Durchschnittsalter. Die Steuereinnahmen sinken. Kultureinrichtungen wie Theater, Bibliotheken, Museen stehen bei Sparzwängen häufig zuerst zur Disposition, weil sie zu den freiwilligen Aufgaben der Gemeinden gehören. Ihr Wert für das Zusammenleben in den Regionen wird oft als nachrangig betrachtet, obwohl gerade sie zur Stabilisierung von Identität und Gemeinschaftsbildung wesentlich beitragen können.

„TRAFO“ – Modelle für Kultur im Wandel
TRAFO steht für Transformation: Bestehende Kultureinrichtungen sollen sich wandeln, Transformationsprozesse aktiv angestoßen und begleitet werden. Das Programm „TRAFO“ – Modelle für Kultur im Wandel, eine Initiative der Kulturstiftung des Bundes, unterstützt von 2016 bis 2020 Kultureinrichtungen in vier Modellregionen dabei, sich weiter zu entwickeln: im Oderbruch, in Südniedersachsen, im Saarpfalz-Kreis und auf der Schwäbischen Alb. Die in ganz Deutschland ausgewählten vier Modellregionen zeigen in sechs Transformationsprojekten, welche Potenziale in der Veränderung liegen. In enger Kooperation mit den Akteuren vor Ort werden Antworten entwickelt, wie ein attraktives Angebot von Kultureinrichtungen im ländlichen Raum in Zukunft aussehen und organisiert werden kann. Mit partizipativen und kooperativen Ansätzen entwickeln sie Beispiele, wie lokale und regionale Kultureinrichtungen wie Theater und Museen, aber auch Bibliotheken, Musikschulen, Volkshochschulen zu zeitgemäßen, spannenden Lern- und Kulturorten werden.

Pressekontakt: Kristin Bäßler kb@trafo-programm.de