Kulturelles Erbe in Szene gesetzt

Wie kann man einen baukulturell einzigartigen Stra├čenzug besser in Szene setzen? Wie kann zugleich seine Bedeutung als Wohnraum, Gesch├Ąftsstra├če und Schaffensraum der kulturellen ├Ârtlichen Akteure betont werden? Wie kann ein Gleichgewicht zwischen modernem Leben und kulturellem Erbe hergestellt werden? Diese Fragen besch├Ąftigten die Stadtverwaltung Einbeck bei der Planungsstudie zu einer historischen Hauptachse durch die fast 1000 Jahre alte Stadt.

Bauhistorisch wichtiges Fachwerk-Ensemble
Die Magistrale der Baukultur ist eine der durch das Bundesbauministerium gef├Ârderten Ma├čnahmen im Projekt Fachwerk- F├╝nfeck. Es handelt sich um die West-Ost-Achse, die quer durch die historische Innenstadt von Einbeck f├╝hrt. Sie beginnt mit der Tiedexer Stra├če, die seit dem Mittelalter den Marktplatz mit dem westlich gelegenen Tiedexer Tor verbindet. Hier verlief seit dem 12. Jahrhundert eine gro├če Handelsstra├če durch die Hansestadt. Vor allem die Nordseite der Stra├če ist bauhistorisch von gro├čer Bedeutung. Sie umfasst ein geschlossenes Fachwerk-Ensemble in sp├Ątgotischem Stil aus der Mitte des 16. Jahrhunderts, das in seiner Urspr├╝nglichkeit deutschlandweit einzigartig ist. 15 der 16 H├Ąuser stehen unter Denkmalschutz. Geschnitzte Jahreszahlen ├╝ber den Torb├Âgen der H├Ąuser weisen die Betrachter auf ihre Entstehungszeit hin. Als traditionsreiche Bierstadt hatten die B├╝rger das Braurecht erworben und fuhren durch die hohen Eingangstore mit ihren Braupfannen ein und aus. Diese Tore sind noch heute deutlich sichtbar.

St├Ądtebauliche Defizite
FuenfeckSPUeREN_Ausgabe201606_04_druckfinalViele der H├Ąuser sind seit Generationen in Familienbesitz. Die Anwohner lieben ihre H├Ąuser. Doch hat die Bedeutung der Stra├če als Einkaufsstra├če in den vergangenen Jahrzehnten deutlich nachgelassen. In der Tiedexer Stra├če, in Randlage der Fu├čg├Ąngerzone, geh├Ârt Leerstand an einigen Stellen zum Stra├čenbild. Obwohl der Stra├čenzug inzwischen die Hauptverbindung f├╝r Touristen darstellt, die vom PS.Speicher in die Innenstadt m├Âchten, sind ihr Charme und ihre Bedeutung nicht auf den ersten Blick zu erkennen. Die Ursache ist st├Ądtebaulicher Natur: parkende Autos, schmale B├╝rgersteige, unklare Besucherf├╝hrung.

Planung unter Einbezug der ├ľffentlichkeit
Mit Hilfe der Bundesmittel bot sich die M├Âglichkeit, unter Beteiligung der ├ľffentlichkeit einen Planungsprozess anzusto├čen, der dem Stra├čenzug die Bedeutung zur├╝ckgibt, die ihm baukulturell zusteht. Ein Planungsb├╝ro wurde mit der Planung und der Koordination der beteiligten Interessensgruppen beauftragt. Auf Wunsch des st├Ądtischen Baufachamtes wurden alle ├Ârtlich agierenden Interessengruppen fr├╝hzeitig eingebunden: Anlieger, Stadtmarketing, Politik, Kirchengemeinde, Denkmalpflege, Jugend- und Seniorenverb├Ąnde und Kulturschaffende konnten in Beteiligungsveranstaltungen ihre W├╝nsche und Bed├╝rfnisse an die Stra├če ├Ąu├čern. Daraus stellte das Planungsb├╝ro Defizite und Potenziale der ├Âffentlichen Fl├Ąchen zusammen und pr├Ąsentierte f├╝r den Schwerpunkt Tiedexer Stra├če zwei Planungsvorschl├Ąge.

Mehr Platz f├╝r B├╝rger
FuenfeckSPUeREN_Ausgabe201606_04_druckfinalIm Kern geht es darum, die Fahrbahn der Tiedexer Stra├če zugunsten eines breiteren B├╝rgersteiges schmaler zu gestalten, um die Aufenthaltsqualit├Ąt zu erh├Âhen. Parkpl├Ątze, die derzeit zahlreich quer zur Fahrbahn ausgewiesen sind, sollen k├╝nftig l├Ąngst der Fahrtrichtung verlaufen und damit Raum freigeben. Dieser Raum soll f├╝r die angrenzenden Gesch├Ąfte und Anwohner f├╝r Aufenthalt und Au├čennutzung zur Verf├╝gung stehen. F├╝r alle Passanten w├╝rde das neue Stra├čenprofil mehr Platz zum Begegnen und Ausweichen sowie weniger Schwellen und Hindernisse bedeuten. Dabei fallen einige wenige Parkpl├Ątze weg, die in benachbarten Stra├čen ersetzt werden k├Ânnen, wie ein beauftragtes Mobilit├Ątskonzept zeigte.

Zustimmung in politischen Gremien
FuenfeckSPUeREN_Ausgabe201606_04_druckfinalDer Ausschuss f├╝r Stadtentwicklung, Planung und Sanierung und der Verwaltungsausschuss der Stadt Einbeck haben sich in den letzten Tagen zustimmend zur vorgelegten Studie ge├Ąu├čert. Die Ausschussmitglieder lobten die Vorgehensweise, die Beteiligung der Bev├Âlkerung und die Ergebnisse der Studie. Sie nahmen die Entw├╝rfe der ÔÇ×Magistrale der BaukulturÔÇť zustimmend zur Kenntnis. Die im Rahmen des Fachwerk-F├╝nfecks finanzierte Planungsskizze ist ein erster Schritt und hat B├╝rgerschaft und Politik erfolgreich zu einer Diskussion ├╝ber die Entwicklung dieses Stra├čenzugs in Einbeck motiviert. Das Votum von Eigent├╝mern und Anwohnern ist eindeutig: Die Tiedexer Stra├če soll hin zu mehr Aufenthaltsqualit├Ąt umgestaltet werden. Mit dieser Entscheidung kann nun die Detailplanung und bauliche Umsetzung ins Auge gefasst werden. Fachbereichsleiter Fridjof Look wies darauf hin, dass bereits ein F├Ârderantrag zur Umgestaltung der Tiedexer Stra├če im St├Ądtebauf├Ârderungsprogramm kleinere St├Ądte und Gemeinden vorbereitet wird. Ob die Ma├čnahme hier├╝ber gef├Ârdert werden kann, wird der F├Ârdermittelgeber im Fr├╝hjahr 2017 entscheiden.

├ťbertragbarkeit im F├╝nfeck
Die Studie zur Magistrale der Baukultur wurde in Einbeck exemplarisch f├╝r alle f├╝nf St├Ądte des Fachwerk-F├╝nfecks durchgef├╝hrt. Die Anforderungen an die historischen Innenstadt- Stra├čen ├Ąhneln sich und sind leicht ├╝bertragbar. Aufenthaltsqualit├Ąt, Besucherf├╝hrung, Barrierefreiheit und Leerstandsbeseitigung sind f├╝r die Bewohner aller f├╝nf St├Ądte von steigender Bedeutung. Die Steigerung der Wertsch├Ątzung historischer Bausubstanz ist eines der Ziele des Projektes Fachwerk-F├╝nfeck. Das Baufachamt der Stadt Northeim hat die in Einbeck beauftragten Planer bereits zur Beratung eingeladen, um Erkenntnisse aus Einbeck in k├╝nftige Planungen einzubeziehen.

Von Anna Laura Ulrichs und Juliane Hofmann Fachwerk-F├╝nfeck Projektb├╝ro

Plan (sch├Âne aussichten landschaftsarchitekten): Das Planungsb├╝ro empfiehlt eine Umgestaltung der Tiedexer Stra├če hin zu mehr Raum f├╝r Anwohner und Besucher, damit die Aufenthaltsqualit├Ąt und Nutzbarkeit steigt.