Fachwerk: Bauen für die Ewigkeit – ein Plädoyer von Dr. Michael Willhardt

Lehm- und Holzbauten für die Ewigkeit

Ausgabe201612_17_FS_Druck_V2Keine Bauweise hält länger, keine Bauweise ist flexibler in der Nutzung und sie fasziniert die Menschen weltweit. Wir sprechen von Fachwerk. Fachwerk besteht aus einem tragenden Holzgerüst und Füllungen, den Gefachen. Sie haben dem „Fachwerk“ seinen Namen gegeben, ebenso wie der „Wand“, in der sich Strohlehm um das Holzflechtwerk „windet“. Entwickelt im 13. Jahrhundert gibt es bis heute unter den mehr als zwei Millionen Gebäuden allein in Deutschland eine nennenswerte Anzahl von Häusern, die seit 750 Jahren durchgängig bewohnt und genutzt werden. Diese Häuser erzählen Geschichten. Unsere moderne Bauweise aus Stahl und Beton hat nicht einen Bruchteil dieser Perspektive. Fachwerkhäuser funktionieren seit Jahrhunderten und allein das qualifiziert sie für eine lange Nutzung auch in Zukunft.
Fachwerk
Wenn wir von Fachwerk reden, dann reden wir nie von reinen Holzhäusern, die haben nämlich kein Gefach. Mehrheitlich wurden die Gefache aus Stroh-Lehmgemisch auf einem hölzernen Flechtwerk errichtet. Selten gab es auch schon von Beginn des Fachwerkbaus die Nutzung von getrockneten Lehmsteinen und auch mit gebrannten Ziegeln wurde gearbeitet, wenn man sich diese leisten konnte und wenn sie verfügbar waren. Es gibt Steinhäuser mit Fachwerkanteilen und pure Fachwerkhäuser. Fachwerk ist eine mitteleuropäische Spezialität und den größten Schatz existierender Fachwerkbauten gibt es in Deutschland. Von hier aus haben frühe Auswanderer die Technik auch nach Amerika mitgenommen. Fachwerk entstand überall dort, wo Bauholz günstig zu beschaffen war, sei es aus dem Wald vor der Tür oder auf Flüssen geflößt. Vorort musste es Lehm geben, das ist der zentrale Grund für die Bauweise in weiten Teilen Mittel- West und Nordeuropas. Die verwendete Holzart richtete sich nach der Verfügbarkeit, es wurde frisch (nicht getrocknet) verarbeitet, abgebrochene Gebäudeteile wurden oft integriert.
Fachwerkbau ist wohl die einzige Bauweise der Welt, der seit seiner
„Erfindung“ im 13. Jahrhundert auch als Profanbau vielfach seit Jahrhunderten durchgängig bewohnt wird und der geeignet war, alle Veränderungen seiner Bewohner mitzumachen. Selbst Steinhäuser schaffen es nicht in so großer Zahl, weil ihre partielle Renovierbarkeit schadhafter Teile weit schwieriger ist, als das bei einer Fachwerkkonstruktion der Fall ist. Auch das ist ein Argument für Fachwerk. Die Flexibilität und die Haltbarkeit von Fachwerkgebäuden lassen modernes Bauen alt aussehen. Kaum ein modernes Objekt aus unseren zeitgenössischen Baustoffen hat die Chance, die nahezu unbeschränkte Haltbarkeit von Holz und Lehm zu überleben. So sind Fachwerkbauten ökologisch und ökonomisch keine nostalgische Bauweise der Vergangenheit, sondern sie haben bei guter Pflege eine lange Zukunft.
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