Neue Erkenntnisse fĂŒr die Zukunft

Ausgabe201612_17_FS_Druck_V2Im Zuge ihres wissenschaftlichen Volontariates im Landesamt fĂŒr Denkmalpflege Hessen im Bereich der Bau- und Kunstdenkmalpflege hat Rebekka SchindehĂŒtte sechs Wochen in der Unteren Denkmalschutzbehörde hospitiert. Die Stadt Hann. MĂŒnden diente als Pilotprojekt fĂŒr die Analyse der StĂ€dte im Fachwerk-5-Eck, welches sicher seine Strahlkraft weiter tragen wird.
Von Rebekka SchindehĂŒtte
Die Stadt Hannoversch MĂŒnden zeichnet sich durch ihre Lage im Talkessel von Fulda, Werra und Weser umgeben vom Reinhards-, Bramer- und Kaufunger Wald aus. Dieser besondere Standort „am Zusammenfluss von Werra und Fulda bildete nicht nur die Grundlage einer jahrhundertelangen wirtschaftlichen BlĂŒte, sondern spielte gleichwohl fĂŒr die GrĂŒndung der Stadt eine wesentliche Rolle“. Der schildförmige Siedlungskern (450 x 350 m) mit seiner planmĂ€ĂŸig gestalteten Grundrisskonzeption steht als Gesamtanlage unter Denkmalschutz, ergĂ€nzt durch eine Vielzahl an Einzelkulturdenkmalen. Das Straßennetz verlĂ€uft orthogonal mit sich rechtwinklig kreuzenden Straßen. Die sich durch das Straßennetz bildenden Blöcke weisen eine quadrat- oder rechteckige Form auf und bestehen grĂ¶ĂŸtenteils aus den kleinteiligen Parzellenstrukturen des Mittelalters.
Insgesamt existieren rund 500 Bauten in der Kernstadt Hannoversch MĂŒndens. Hiervon wurden 115 FachwerkgebĂ€ude innerhalb der Denkmaltopographie einer von sechs Bauperioden zugeordnet. Das Ziel der wissenschaftlichen Untersuchung war eine systematische Erfassung aller Fachwerkbauten in der Kernstadt Hannoversch MĂŒndens, die epochale Einordnung von bisher nicht datierten GebĂ€uden sowie deren Schmuckformen und die Ermittlung der HĂ€ufigkeiten von diversen prĂ€gnanten Schmuckelementen. Anhand von Fotografien und mehreren Ortsbegehungen wurde die jeweils straßensichtige Fassade von 443 FachwerkgebĂ€uden systematisch und detailliert beschrieben. Neben der Geschossanzahl wurde die Konstruktion (Knaggen, Streben, Verriegelung, Auskragung) sowie die Gestaltungsform von Balkenkopf, Schwelle, RĂ€hm, FĂŒllholz, EckstĂ€nder und Brustriegel betrachtet.
Von den 443 betrachteten Fachwerkbauten der Hannoversch MĂŒndener Innenstadt konnten durch diese wissenschaftliche Untersuchungssystematik neben den bereits 154 datierten GebĂ€uden weitere 235 Bauwerke einer Epoche und teilweise sogar genaueren Zeitfenstern zugeordnet werden. Von den verbleibenden nicht datierbaren 48 GebĂ€ude sind 45 Bauten zeitlich nicht nĂ€her zu bestimmen, da ihre Konstruktionen durch Putz oder Holzverkleidung verdeckt sind; ausschließlich drei GebĂ€ude mit Sichtfachwerk konnten aufgrund von starken Überformungen keiner genauen Entstehungszeit zugesprochen werden. Diese Ergebnisse ermöglichen im Vergleich zu dem bisher bekannten Wissensstand eine Steigerung der epochal eingeordneten Bauten um rund 300 % sowie die Korrektur der zeitlichen Einordnung von rund 1/3 der bislang in Bauphasen eingestuften Bauwerke.
Diese systematische und detaillierte entwicklungsgeschichtliche Analyse des konstruktiven und gestalterischen Fachwerks im historischen Kernbereich der Stadt zeigt auf, dass die GebĂ€ude ĂŒberwiegend aus der Zeit des Barocks stammen. Eine Vielzahl der Fachwerkbauten wurden mehrfach umgebaut und ĂŒberformt. Insgesamt erfuhren 30 % der Bauten eine klassizistische Umgestaltung. In den meisten FĂ€llen kommen starke Zerstörungen durch Entkernungen im Erdgeschossbereich fĂŒr Ladeneinbauten seit den 1950er Jahren hinzu.
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