Nutzungs- und Erschließungskonzept: Altes Rathaus und Ratswaage

Neue Nutzungsideen für das Alte Rathaus

Von Juliane Hofmann

Die Stadt Einbeck hat zu einer öffentlichen Präsentation des Nutzungs- und Erschließungskonzeptes für das Alte Rathaus und die Ratswaage in die Halle des Einbecker Wahrzeichens eingeladen. Den Auftrag zur Konzepterstellung hatte das Projekt Fachwerk-Fünfeck in Zusammenarbeit mit der Stadt Einbeck an das Büro SHH Architekten Hildesheim erteilt, das einen Beitrag zur deutlich stärkeren Nutzung der städtischen Immobilien leisten soll. „Das Rathaus stellt die Würde einer Stadtgesellschaft dar“, sagte Stadtbaurat Frithjof Look zur Begrüßung. „Es wird geliebt, es ist in unseren Köpfen, aber es steht teilweise leer.“ Dem Sinnbild der Gesellschaft neues Leben – auch im Innenraum – zu geben, sei Hintergrund des vorgestellten Konzeptes.

Dagmar Schierholz und Marco Evers vom Büro SHH Architekten stellten zunächst ihre Aufgabe der barrierefreien Erschließung der drei Stockwerke in den Vordergrund. Nach Überlegungen des Planungsbüros wären für einen Aufzug zunächst drei Standorte untersucht worden. Empfohlen wurde schließlich ein innenliegender Schacht an der östlichen Giebelwand, weil der Eingang vom Marktplatz aus gut zu erreichen sei und diese Lösung nur sehr geringe Veränderungen an der denkmalgeschützten Fassade bedürfe.

Für die Nutzung des Kellergeschosses gilt: um eine realistische Geschosshöhe zu erzeugen, müsste der Fußboden auf das historische Niveau abgesenkt werden. Der Gewölbekeller stünde damit als nutzbarer Raum für Tourismus und Stadtführungen zur Verfügung – eine Inszenierung des eingelagerten Ratsbieres inbegriffen. Eine zweite Variante zeigte eine mögliche gastronomische Nutzung der Kellerräume.

Das Erdgeschoss mit der Rathaushalle soll im Wesentlichen bestehen bleiben, wird jedoch mit moderner Veranstaltungstechnik ausgestattet. Durch den neuen Standort des Aufzuges ergäbe sich ein weiterer Eingang zum Raum und eine mögliche Integration eines heute als Stuhllager genutzten Raumes für die Ausstellung von stadtrelevanten Themen. Auch die Rathaushalle sollte in diesem Fall regelmäßig für Besucher geöffnet sein und in Vitrinen beispielsweise Objekte der Stadtgeschichte zeigen. Mit wenigen Handgriffen wäre die optimierte Möblierung für Vorträge und Ratssitzungen umzubauen.

Die größten Veränderungen zeigten die Ideen für das 1. Obergeschoss. Die mangelhafte Trittschalldämmung zur darunterliegenden Rathaushalle stocken die Planer auf und legen alle Versorgungsleitungen in den Boden. Daraus ergäben sich aus Sicht des Büros zwei mögliche beispielhafte Nutzungen: ein Gästehaus der Stadt mit kleinen Appartements oder eine repräsentative Büroetage. In der anschließenden Diskussion waren vor allem die Nutzungsempfehlungen für das Obergeschoss Anlass für Fragen, Bedenken aber auch Begeisterung. Stadtbaurat Look betonte, dass man von städtischer Seite damit gerechnet hätte und genau den gewünschten Effekt erzielt habe: die Bürger seien aufgefordert sich über die Zukunft von Rathaus und Ratswaage Gedanken zu machen und sich auszutauschen.

Anfang März steht eine Beratung im Bauausschuss an und frühestens im Jahr 2018 sei mit möglichen Zusagen aus Förderprogrammen zu rechnen. Dass das Alte Rathaus seit Jahren schon regelmäßige Bewohner habe, die unter dem Dach jährlich ihre Kinderstube errichten, war vielen der Besucher neu: die Fledermausart Großes Mausohr nutzt die Etage als Wochenstube, weshalb das Dachgeschoss als FFH-
Gebiet 397 unter Schutz gestellt ist. Interessierte Bürger finden weitere Informationen und die Präsentation der Planer unter www.einbeck.de/konzeptimmobilie und sind aufgerufen, weitere Anregungen unter
magistrale@einbeck.de an die Verwaltung zu richten.