NEUJAHRSEMPFANG DER SPARKASSE GÖTTINGEN

Wie in den Vorjahren – zum ersten Mal unter der Leitung von Jason Weaver – spielte das Göttinger Symphonie Orchester vor und nach der Eröffnungsrede des Vorstandsvorsitzenden Rainer Hald, der nach den üblichen Begrüßungen mitteilte, dass er neben seinem derzeitigen Vorstandskollegen Steffen Horn ab 01. April 2019 mit Herrn Michael Birlin einen neuen Vorstandskollegen, der die Führungsmannschaft verstärken wird, erhalten wird.

Anders als in den Vorjahren, als eher Zahlen und Fakten im Vordergrund standen, setzte sich Hald kritisch mit der derzeitigen weltpolitischen Lage auseinander: „Die Komplexität der politischen Herausforderungen, die Selbstbeschleunigung der Digitalisierung aller Lebensbereiche und die Unberechenbarkeit vieler Staatenlenker um uns herum addieren sich für uns alle zu einem Festival nervöser Gleichzeitigkeit. Und müsste die heutige Welt einen Stresstest ablegen, sie würde – in den Augen vieler – glatt durchfallen. Und immer mehr verunsicherte Bürger schauen auf eine Wirklichkeit, die sie immer häufiger frösteln lässt. Da bekommen z.B. die Italiener eine Regierung voller Schauspieler und Gaukler, die die Steuern senken, die Schulden und die Staatsausgaben erhöhen nach dem Motto ,Freibier für alle’. Wer diese Rechnung bezahlen soll, ist völlig offen. Da wird sich schon jemand in Europa finden, der bezahlt, wenn Sie verstehen, was ich meine“.

Über den Brexit, bei dem viele die alte Logik vergessen zu haben scheinen, was für eine große Sicherheit eine große Gruppe bieten kann über die Vereinigten Staaten und China, die sich als mächtige Handelskrieger positionieren und die Weltwirtschaft mit immer neuen Big Bangs an Zoll- und Handelshemmnissen nerven, ließ Hald seine Geringschätzigkeit spüren. Des Weiteren zeigte er sich bestürzt über eine Datenschutzgrundverordnung, die in Deutschland kleine Vereine und Geschäftstreibende mit einer unglaublichen Bürokratie drangsalieren, während zu gleicher Zeit Chinesen, Russen und Amerikaner durch die Netze geistern, und dort rauben, lauschen und manipulieren, wie sie gerade wollen.

Auch die Euro-Zone sei daher kein Freundschafts-Club und keine Familie, sondern eine Ansammlung von Staaten, die ihre ökonomischen und politischen Interessen verfolgen, und um ihrer Interessen Willen kooperieren sie. Jeder Euro-Teilnehmerstaat tut dies, weil er auf zusätzliches Wirtschaftswachstum und eine bessere Entwicklung in einer stabilen Gemeinschaft hofft. Der Handelskrieg zwischen den USA und China und der Niedrigzins nahmen ebenso breiten Raum ein wie das Plädoyer für ein starkes und aufeinander abgestimmtes Europa.

Halds Ausblick für das Jahr 2019: „Es wird das Jahr der Wahrheit: Brexit, Handelskrieg und Populismus. Wir stehen an einer Weggabelung. Auf der einen Seite ein harter ungeregelter Brexit mit massiver Verschärfung und Ausdehnung der Handelskonflikte, erneute Eskalation des Budgetstreits zwischen Italien und der EU-Kommission. Diese Entwicklungen sind für sich genommen alle nicht unrealistisch. Auf der anderen Seite Beruhigung der Konflikte und damit leichtes Wachstum der Weltwirtschaft. Ich gehe jedoch nach wie vor von einem Sieg der Vernunft aus!“ [ws]