Sogar im Fachwerkhaus war es im Juni zu warm

Fachwerk hält im Winter warm und kühlt bei Hitze

Obwohl Fachwerkhäuser bei Hitze kühlen, wurden die Fenster im heißen Juni weit aufgerissen.

Ein Fachwerkhaus hält im Winter mollig warm und lässt im Sommer die Hitze draußen. Doch weshalb ist das so? Und warum konnten wir in diesen heißen Sommertagen, die der Monat Juni mit sich gebracht hat, in den Städten des Fachwerk Fünfecks (Northeim, Hann. Münden, Einbeck, Duderstadt und Osterode am Harz) beobachten, dass in so vielen Fachwerkbauten die Fenster weit aufgerissen waren? War es vielleicht doch zu warm?

Fachwerkbauten bestechen durch eine andere Bauweise. Fotos: Stobbe

Fachwerkhäuser unterscheiden sich in ihrer Bauart von anderen Häusern, etwa von denen aus Ziegelsteinen. Die Konstruktion eines Fachwerkhauses sieht ein Traggerüst aus Holz mit einem Gefache aus Lehm vor. Lehm speichert Wärme und dieses kommt den Bewohnern des Hauses vor allem im Winter zu Gute. Lehm entzieht der Raumluft Feuchtigkeit und gibt sie langsam wieder ab. Das sorgt für ein gesundes und gleichbleibendes Klima, das als behaglich empfunden wird. So wie Lehm im Winter die Wärme speichert, so behält er im Sommer das Kühle und heizt sich nicht so schnell durch die Sonne auf. Die energetischen Vorteile liegen somit auf der Hand. Und dennoch mussten Bewohner in Fachwerkhäusern in Duderstadt, Hann. Münden, Einbeck, Northeim und Osterode am Harz ihre Fenster an den heißen Tagen im Juni öffnen, um den Hitzestau in ihren nostalgischen Bauten aufzulösen. Wenn sich ein Fachwerkhaus im Sommer zu stark aufheizt, dann kann das an der Dämmung liegen. Um eine unzureichende Dämmung auszumachen, sollte genau geschaut werden, ob sich an heißen Tagen alle Räume gleichermaßen stark erhitzen oder ob es hier Unterschiede gibt. Speichern einzelne Räume im Haus die Hitze anders als andere? Die Lade- und Entladevorgänge eines Wärmespeichers sind komplex, daher sollte ein Fachmann beurteilen, welcher Ursache die starke Hitzeansammlung in den Zimmern zugrunde liegt. Vielleicht hilft bei einer kurzzeitigen Hitzeperiode tatsächliche der typische Durchzug. Hierzu werden alle Fenster (zu allen Seiten, falls möglich) in den Abendstunden oder gleich am Morgen weit geöffnet, um frische und kühlere Luft in die Räume strömen zu lassen. Es dauert zwar etwas länger, eh sich die Wände eines Fachwerkhauses heruntergekühlt haben, dafür wird die Kälte aber wieder gespeichert und kühlt, wenn das Thermometer erneut in die Höhe schnellt. (sto.)